»ABER VON MIR WEISS ICH, DASS ICH KEIN PROGRAMM HABE, NUR DIE UNERKLÄRLICHE SEHNSUCHT, DAS ZU FASSEN, WAS ICH SEHE UND FÜHLE, UND DAFÜR DEN REINSTEN AUSDRUCK ZU FINDEN.«

KARL SCHMIDT-ROTTLUFF, 1914

Pressemeldungen

„AUSEINANDERSETZUNG MIT DER ÜBERMACHT VON NATUR UND GESCHICHTE“

MICHAEL MORGNER MIT DEM ERSTEN KUNSTPREIS ZU EHREN SCHMIDT-ROTTLUFF CHEMNITZ AUSGEZEICHNET

Chemnitz, der 9. März 2018. Mit dem Schmidt-Rottluff Kunstpreis ehrte die Stiftung Schmidt-Rottluff Kunstpreis am heutigen Freitag bei einer Festveranstaltung in Chemnitz mit über 250 Gästen den Maler, Grafiker und Bildhauer Michael Morgner. Der Preis wurde erstmalig durch die Stiftung Schmidt-Rottluff Kunstpreis vergeben und ist mit 20.000 Euro dotiert. Er wird künftig alle zwei Jahre an eine bedeutende künstlerische Position der Gegenwart verliehen.

„Als Karl Schmidt-Rottluff vor etwa 110 Jahren mit einigen ihm gleich gesinnten jungen Künstlern eine Kunstform aus der Taufe hob, die wir heute den Expressionismus nennen, handelte er aus einem gewaltigen Defizit heraus“, erklärte Dr. Katrin Arrieta, Kunsthistorikerin, Künstlerische Leiterin des Kunstmuseums Ahrenshoop und Mitglied im Vorstand der Stiftung Schmidt-Rottluff Kunstpreis: „Gemeint ist jene beunruhigende Leere, die der Sinnverlust des Denkens und der Kunst seit ihrer Entlassung aus dem Dienst der alten, religiösen Weltanschauung das ganze 19. Jahrhundert hindurch zu spüren gegeben hatte.“ Künstler dieser Zeit hätten sich „ohne ein verlässliches Leitbild, wie Blinde auf dem Eis“ zu bewegen gehabt. Der Expressionismus eines Karl Schmidt-Rottluff sei nicht aus der Sehnsucht nach Selbstinszenierung entstanden: „Für ihn und die ihm gleich Gesinnten war die Malerei in reinen, starken Farben ein Erkenntnisweg, ein Brückenschlag in die grandiose Wahrheit der Natur.“

Aus solchem Geiste entstünden auch die Arbeiten von Michael Morgner, so Arrieta in ihrer Laudatio: „Zu Recht ist Michael Morgner erster Preisträger, denn sein Lebenswerk ist das Ergebnis einer alle Kräfte dieses Künstlers aktivierenden und aufzehrenden Auseinandersetzung mit der Übermacht von Natur und Geschichte über die Belange des Einzelnen.“ Morgners Lebenswerk kreise „um den im Grunde immer noch romantischen Entwurf des Menschen als Naturgeschöpf, der in die selbsterzeugte Kluft zwischen sich und der Natur gerät.“

Preisträger Michael Morgner bedankte sich für die Würdigung: „Die Arbeiten von Karl Schmidt-Rottluff waren fast die einzige hochklassige zeitgenössische Kunst, mit der ich als junger Mensch in der Ulbricht-Ära in Berührung kommen konnte. Dass mein Name durch den Preis nun dauerhaft mit dem Schmidt-Rottluffs verbunden ist, ist für mich eine riesengroße Ehre, die ich nicht für möglich gehalten hätte.“ Seine größte Dankbarkeit gehöre der Tatsache, dass er seit über 70 Jahren in einer Welt ohne Krieg habe leben und  arbeiten können: „Diese Chance hatte Karl Schmidt-Rottluff nicht“, so Michael Morgner.

Zur Preisverleihung ist eine Festschrift erschienen. 36 Autorinnen und Autoren, darunter Persönlichkeiten wie Klaus Staeck, Karl Clauss Dietel, Christoph Dieckmann, Jutta Penndorf, Matthias Flügge, Ludwig Güttler oder Gunther Emmerlich, erinnern darin an ihre Begegnungen mit Michael Morgner und seiner Kunst. Die Festschrift unter dem Titel „Schmidt-Rottluff Kunstpreis 2018. Michael Morgner“ ist über den Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-9810040-8-3).

Über den Preisträger

1942 in Chemnitz geboren, studiert Kurt Thomas-Michael Morgner von 1961 bis 1966 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 1973 ist er Mitbegründer der „Galerie Oben“ sowie 1977 der Künstlergruppe und Produzentengalerie „Clara Mosch“ in Karl-Marx-Stadt. 1984 tritt Morgner aus dem Bezirksvorstand des Verbandes Bildender Künstler aus und verweigert die Teilnahme an der X. Kunstausstellung der DDR. 1991 erhält er den Grafikpreis der „Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e. V.“ und ist im selben Jahr Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden und der Freien Akademie der Künste zu Leipzig. Von 2003 bis 2007 hat Morgner eine Gastprofessur an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg inne. 2006 erhält er den Kunstpreis der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg, 2012 folgt der Ger­hard-Altenbourg-Preis durch das Lindenau-Museum Altenburg. Morgner lebt und arbeitet in Einsiedel bei Chemnitz.

Über die Stiftung Schmidt-Rottluff Kunstpreis

Die Stiftung Schmidt-Rottluff Kunstpreis wurde durch das Unternehmer-Ehepaar Dr. Jürgen und Sonja Oehlschläger initiiert, um den Maler Karl Schmidt-Rottluff in seiner Geburtsstadt Chemnitz zu ehren. Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976) gehörte zu der Künstlergemeinschaft „Brücke“, die den Expressionismus in Deutschland maßgeblich prägte. Sein gelebtes Bekenntnis zu einer unabhängigen, freien Kunstform ließ ihn zum künstlerischen Leitbild werden. Die 2015 gegründete Stiftung ist als Bürgerstiftung aufgestellt, der jeder beitreten kann. Sie fühlt sich dem Wohl der Stadt Chemnitz, ihrer Bewohner und Gäste verpflichtet. Der Schmidt-Rottluff Kunstpreis wird 2018 zum ersten Mal und anschließend alle zwei Jahre an eine bedeutende künstlerische Position der Gegenwart vergeben. Er ist mit 20.000 Euro dotiert.

Weitere Informationen finden Sie unter www.stiftung-schmidt-rottluff-chemnitz.de

Pressekontakt

Klang von Blau Agenturgruppe
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Volker Tzschucke
Tel: 0371-27324733
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